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Jugendträume – Reiseträume

Allein, aber nicht einsam

Ich habe nichts vorher geplant, außer der Strecke entlang der Küste in Richtung Osten und fahre einfach los so lange und so weit, wie ich gerade Lust dazu habe. Was kann es Schöneres geben?  Ein bißchen Spannung und Abenteuer sind dadurch auch inklusive. 

 

1.Tag

 

Start in Elmenhorst bei Warnemünde bei wunderbarem Wetter. In Warnemünde gönne ich mir einen Kaffee, traditionsgemäß direkt zu Füßen des Leuchtturms, wie jedes Mal, wenn ich in Warnemünde bin. Ich sitze im Cafe mit Blick auf den breiten Traumstrand, eine morgendliche kühle Brise weht zu mir herüber. Was kann es Schöneres geben.

 

Dann geht es erst am Alten Strom und an der Aida vorbei über die Fähre Richtung Markgrafenheide. Jedes Mal bin ich überrascht, wie riesig diese Schiffe sind. Ich fühle mich als kleiner Mensch neben so einem Koloss von Schiff noch kleiner, als ich mit meinen 160 cm eh schon bin. Ein kleines Stäubchen im Universum.

 

Als ich durch Markgrafenheide fahre, überkommen mich nostalgische Erinnerungen an eine Campingurlaub auf dem dortigen Zeltplatz. Ich war 16 oder so,  niemand hatte ein Auto und wir fahren mit dem Zug bis Warnemünde. Anschließend mussten wir Zelt und sämtliche Ausrüstung vom Bahnhof über die Fähre und dann zum Campingplatz schleppen. Was tut man nicht alles für einen Ostseeurlaub, unvorstellbar heute. 

 

Durch die Rostocker Heide radele ich Richtung Graal Müritz. Heidelandschaft ist das nicht gerade, eher so typischer Küstenwald. Sehr schön, sehr erholsam, wenige Menschen. Ich bin fasziniert. Aber ich will doch den Ostseeküsten-Radweg fahren und nicht durch in Wald! Wie froh bin ich als ich bei Graal Müritz endlich wieder auf das Meer treffe! 

Strandpause muss bei diesem tollen Wetter unbedingt sein. Ich habe liebe es total, direkt am Strand mein mitgebrachtes Mal zu verzehren. Außerdem will ich doch unbedingt das Wasser testen. Ja, ich habe gebadet, aber nur bis zum Bauch. Das Wasser ist trotz angenehmer Außentemperatur Anfang Juni immer noch eiskalt.

Über Dierhagen und dem bekannten Künstlerdorf Ahrenshoop brause ich weiter gen Osten.

 

Die nächste längere Pause gibt es am Hafen in Born, einem idyllischen Örtchen am Bodden. Überall gibt es reetgedeckte Häuser, die sehr beschaulich wirken und natürlich leckeren frisch gebratenen Fisch. Da kann man doch nicht nein sagen.

 

Die letzte Etappe führt durch den Nationalpark Boddenlandschaft mit ganz vielen verschiedenen Tierarten. Wir man sieht nicht nur Wasservögel.

 

Nach knapp 70 km erreiche ich glücklich und erschöpft Prerow. Kurz danach beginnt es kräftig zu regnen.

 

Fazit, es war ein perfekter Tag.

2.Tag

 

Morgens starte ich bei fantastischem Wetter Richtung Zingst. Das Fahren macht  so richtig Spaß gemacht. 🌞

 

Hinter Pruchten habe ich dann den Abzweig Richtung Stralsund verpasst und bin fast 10 km Umweg gefahren. Positiv daran war, dass ich eine wunderschöne kleine Dorfkirche entdeckt habe, die ich sonst nie gefunden hätte.⛪

Um die Stadt Barth habe ich einen Bogen geschlagen. Was soll ich bei so wunderbarem Wetter in der Stadt. Strand und Meer sind angesagt.

 

Dann geht es entlang dem Bodden. Eine wunderbare Landschaft, weiter Blick, wenig Menschen. So richtig erholsam, ich fühle mich eins mit der Natur. Perfekt um beim Fahren die Gedanken schweifen zu lassen.

 

Einziger Makel war ein ziemlich heftiger Gegenwind. Dann spürt man das Gepäck am Fahrrad doppelt.🌬

 

Glücklich und zufrieden bin ich am Nachmittag in Stralsund gelandet. Dort habe ich den Abend in netter Gesellschaft  in einem Restaurant direkt vor der Gorch Fock genossen. 🍻🍽

 

Einfach ein wunderbarer Tag.👍

 

3.Tag

 

Morgens Start in Stralsund.  Das Wetter wie jeden Tag bisher, strahlend blauer Himmel, es verspricht richtig heiß zu werden. 

In meiner Karte werde ich gewarnt: “Zwischen Stralsund und Greifswald gibt es immer wieder längere Streckenabschnitte auf denkmalgeschütztem Kopfsteinpflaster. Wenn sie die vermeiden wollen, nehmen sie die Bahn.”

So schlimm wird es schon nicht werden, dachte ich bei mir. Doch wurde es!

Nachdem ich endlich die Stadt hinter mir gelassen  hatte, musste ich fast 20 km mit dem denkmalgeschütztem Kopfsteinpflaster ganz schön schwer kämpfen. Wunderschöne schnurgerade Alleen, kein Ende in Sicht, 30 Grad im Schatten und das Gerüttel,  mein armer Hintern.😉

Kurzer Stopp in Greifswald, es gab wieder Fisch. Die Innenstadt habe ich bei der Hitze gemieden und bin sofort bis Wieck durchgefahren. 🌞

Dort habe ich wieder einen ausgiebigen Badestopp genossen, wunderbar erfrischend bei der Hitze und das Kopfsteinpflaster war danach schon wieder vergessen.

 

In meinem Radtourenbuch gibt es auch zahlreiche Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten.  Pension Boddenblick in Gahlkow klang für mich nicht schlecht. Also schnell noch etwas gegessen und die reichlich 10 km bis dahin geradelt. Wie war ich überrascht, daß die Pension zu einem griechischen Restaurant gehört. Also gab es noch ein schickes Abendessen und dazu natürlich griechischen Wein.

 

Fazit: tolles Wetter, zum Radeln etwas zu warm und ich hatte definitiv zu viel Sonne 🤔

 

4.Tag

 

Frühstück im griechischen Restaurant war so “Na ja”. Es kann nicht immer alles perfekt sein. Vorbei am Ostseebad Lubmin bin ich auf einem fantastischen Weg direkt hinter dem Strand weiter bis zur Marina Lubmin gestrampelt. Sehr idyllisch, aber leider `das Ende der Welt’. Anders als in der Karte kam ich dort nicht weiter, da sich nahe des ehemaligen Kernkraftwerkes Lubmin eine riesige Baustelle mit dem Hinweis:”Hier errichtet die Nord Stream 2 AG die Molchempfangsstation für  für die neue Erdgaspipeline” befindet. Hmm, Nord Stream 2 und Erdgaspipeline habe ich schon mal gehört, aber “Molchempfangsstation” ist mir trotz googeln bis heute ein Rätsel.   

Nach einem kurzen Stopp in Frest bin ich durchgefahren bis Wolgast direkt auf den Wochenmarkt.  Dort gab es einen außergewöhnlichen Stand, wo Quark mit Früchten und verschiedenen Soßen verkauft wurde. Genau das Richtige bei der Hitze.

 

Spannend war die geöffnete Brücke bei Wolgast, die auf die Insel Usedom führt. 🚢

 

Auch hier wurde ich von Erinnerungen an meine Kindheit überwältigt. Ohne Auto mit dem Nachtzug bis Wolgast, dann im Morgengrauen aus dem Zug und die Koffer über die Brücke schleppen, um dann mit der Kleinbahn weiter bis Zinnowitz zu fahren. Belohnt wurden meine Eltern und ich dann durch wundervolle Ferien auf Usedom, eines der jährlichen Highlights meiner Kindheit.

 

Heute kann ich mit meinem Rad an all den wartenden Autos vorbeifahren und vorn in der ersten Reihe das Spektakel der geöffneten Brücke bewundern. 

 

Aufgrund der Hitze bin ich dann schnurstracks bis zum Strand in der Nähe von Trassenheide durchgeführten und dann war das Wasser endlich warm genug für ein ausgedehntes Vollbad in der Ostsee. 

 

Nach langer Pause am Strand passiere ich Zinnowitz ohne Halt. Ich hatte den Ort nach der wende schon mehrfach besucht und war jedesmal ziemlich enttäuscht nicht mehr das beschauliche Urlaubsparadies meiner Kindheit, sondern eine durchgestylte Touristen-Hochburg vorzufinden.  So hatte ich diesmal vor, im kleinen Örtchen Kölpinsee zu übernachten. Soweit bin ich dann aber nicht gekommen, da sich der Himmel rapide verdunkelt und sich ein Gewitter anbahnt. Ich spiele noch mit dem Gedanken, mir das Schauspiel am Strand anzusehen. Entscheide mich aber dann für die vernünftige Variante schnell landeinwärts zu fahren und mir ein Bett für die Nacht zu suchen. 

 

Ich bin total froh, dass ich unmittelbar  ein Zimmer gefunden habe, denn es schon beginnt das Gewitter!

 

5.Tag

Heute Start mit Hindernissen. Die sind jedoch nur dazu da, um überwunden zu werden.😀

Kein Mensch glaubt mir wie hügelig der Weg auf der Insel Usedom ist, sogar Steigungen von 16 % ↗️.

 

Die großen Ostseebäder Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck  habe ich schnell durchquert, zuviel Rummel dort🎪🎡, da möchte ich mir lieber die idyllischen Erinnerungen an früher bewahren. 

 

Dann die Grenze….Huchu, keine wirkliche Grenze mehr da!!! 🔔Das habe ich auch anders erlebt…mit unüberwindlichen Zaun am Strand…Auch hier treten zahlreiche Erinnerung in frühere Zeiten zu Tage. Nur ein Mädchen aus Sachsen weiß, wie einzigartig sich das anfühlt, wenn man jetzt einfach weiterfahren kann👍❤.

 

Nun bin ich in Polen und morgen ist Ruhetag angesagt. Mein Po muss sich nach mehr als 300 km auch mal erholen😉.

 

Ich fühle mich einfach toll, bin so richtig bei mir angekommen, genieße die Ruhe und Stille der Natur. Bin zwar allein, aber keineswegs einsam, sondern so richtig im Reinen mit mir selbst.

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